All Posts by Florian Muehlboeck

Auf den Spuren des “iceman” beim Wim Hof workshop Wien

Wie mit Atemtechnik und mentaler Stärke Eisbaden im Hochwinter möglich wird . Ein Bericht über einen eintägigen Workshop zur Wim Hof Methode. 

Es ist nach 9 Uhr, Mitte Jänner und Winter in Wien. Also vielleicht 5 Grad Außentemperatur und ein leichtes Lüfterl weht. An diesem Sonntag bin ich zum Wim Hof Workshop Wien in der Therme Oberlaa unterwegs.

Zum Hintergrund von Wim Hof

Wim Hof ist ein 59-jähriger Holländer mit einem ausgesprochen interessantem und außergewöhnlichen Lebenslauf. Wikipedia attestiert ihm 26 internationale Rekorde, wovon alle etwas mit extremer Kälte zu tun haben. Der als “Iceman” bekannte ist beispielsweise den Mt. Everest bis 7400m in Schuhen und kurzen Hosen hinaufgestiegen, unter polarem Eis geschwommen oder knapp zwei Stunden bis zum Hals in Eiswasser ausgeharrt. Besonders interessant wurde es für mich aber als ich von einem Experiment las, in dem er sich ein Endotoxin innerhalb einer kontrollierten wissenschaftlichen Studie injizieren lies. Dabei kam es nur durch eine spezielle Art der Atmung und Meditation zu keinen der sonst üblichen, starken Symptome wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen. Das klang schon nach einer ziemlichen Ansage die sofort meine Skepsis anspringen ließ. Nach einiger Nachforschung im Netz, dem veröffentlichten youtube video und genaueren Artikeln und Informationen zu dem Experiment, v.a. der publizierten Studien, änderte sich diese in erstauntes Interesse. Meine Neugier war geweckt und gemäß des Credos sich am Besten seine eigene Meinung durch ausprobieren zu bilden war schnell ein Termin zu einem “fundamentals workshop” in Wien gefunden. Also zurück zu dem Wintervormittag und genau diesem workshop. Nach einer kurzen Vorstellrunde bekommen wir ein Intro zum Instructor selbst und den drei Pfeilern der Methode. Scott McDonalds, gebürtiger Schotte, Brasilian Jiu Jitsu Enthusiast und als Weltreisender in Österreich gestrandet, wirkt von Anfang an sehr easygoing und trägt seine eigenen Erfahrungen mit der Wim Hof Methode ohne Hang zu Superlativen vor. Den Kern der Methode bilden, eigentlich nicht so spektakulär, eine Atemübung und die regelmäßige Kälteexposition des Körpers. Und diese beiden Teile erfordern ein spezielles mindset. Das heißt, die Einstellung einem Eisbad bei winterlichen Temperaturen gelassen und entschlossen entgegen zu treten, den Fähigkeiten des eigenen Körpers zu vertrauen und die notwendige Disziplin aufzubringen die Übungen mit Kontinuität zu verfolgen.

Der Kern der Wim Hof Atemtechnik

Die Atemübung besteht im Grunde aus drei Runden zu je 30 tiefen Atemzügen, unterbrochen von je einer Atempause. Aktive Einatmung in den Bauch gefolgt von passivem Ausatmen (einfach “ fallen lassen”). Nachdem wir die Übung einmal absolviert haben, fällt mir sofort auf, dass das Anhalten der Luft in den Atempausen (nach vorhergehendem Ausatmen) überraschend leicht fällt. Der Atemreiz ist sehr gering, die Dauer bis zum notwendigen Luftholen erscheint mir ausgesprochen lange. Zum Ende der zweiten Runde beginnt sich ein leichtes Kribbeln in Lippen und Fingern bemerkbar zu machen, alles weit entfernt von unangenehm. Nach Abschluss des gesamten Zyklus bleibt ein entspanntes, waches und belebtes Gefühl und für kurze Zeit noch das leichte Kribbeln. Jegliche Halluzinationen, Marienerscheinungen oder andere erschreckende Zustände bleiben gänzlich aus. So weit so gut, allerdings kündigt Scott nach einer kurzen Pause und einer zweiten Atemsession ein Eisbad im Freien an. Also Wasser um die null Grad kalt, in einer Metallbadewanne bei einigermaßen milden winterlichen Temperaturen und in Badeshorts. Absolut freiwillig versteht sich!

Die zweite Atemübung verläuft analog zur ersten, am Ende schließen wir aber bei angehaltenem Atem mit einem Set Liegestütze ab. Der Gedanke Liegestütze ohne einzuatmen zu machen klingt für mich widersprüchlich aber ich mache natürlich mit. Wer mich kennt, weiß, dass mein Fitnesslevel sicherlich guter Durchschnitt ist. Kniebeugen bis zum Anschlag, lunches oder diverse planks jagen mir kaum Schauer über den Rücken, Liegestützwunder bin ich aber mit Sicherheit keines! Dabei nicht einzuatmen wird diesen Umstand wohl kaum ändern denke ich mir. Die positive Überraschung folgt indem ich ein tadelloses set absolviere. Große Atemnot stellt sich keine ein, das Erschöpfungsgefühl hält sich ziemlich in Grenzen.

Kälteexposition

„Nicht schlecht“, denke ich mir und Scott meint in etwa „nun seid ihr optimal auf das Eisbad vorbereitet“. An diesem Wochenende fühle ich mich nicht hundert Prozent fit, der Hals kratzt etwas und ich bin leicht abgeschlagen. Nach kurzem Zögern entscheide ich mich nichtsdestotrotz „all in“ zu gehen. Wer weiß wann die nächste Gelegenheit in eine mit Eiswürfeln gefüllte Badewanne zu steigen kommt. Wir gehen in flipflops raus, füllen die Metallbadewanne bis knapp über die Hälfte an und beginnen uns kurz zu sammeln. In einer Art Kraftpose lenken wir unseren Fokus auf die bevorstehende challenge. Mir ist kalt. Obwohl ich neugierig bin und bereit die Sache durchzuziehen bin ich nervös. Locker bleiben, nicht anspannen und die Kälte einfach so akzeptieren wie sie ist wird der Schlüssel zum Erfolg sein denke ich mir einerseits. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass sowas bei einem Bergsee im Sommer oder einer herbstlichen Surferei im Atlantik funktioniert, null Grad kaltes Wasser aber wirklich eine absolut andere Liga ist und die romantische Vorstellung vom „gelassen bleiben wie ein buddhistischer Mönch“ hier wahrscheinlich nicht klappen wird. Der Erste der Gruppe zieht sein Gewand aus und steht nur noch in Badewäsche da. Entschlossen steigt er in die Wanne und beginnt tief zu atmen. Ein paar Züge später wird der Atem gleichmäßig, Entspannung scheint einzutreten. Irgendwie beruhigend, meine Anspannung und der Respekt vor der Kälte bleiben aber unbeeinträchtigt. Ein paar Kandidaten später bin ich so weit. Raus aus der Jogginghose und rein ins Wasser. Kurz bevor ich den ersten Fuß reinsetze beherzige ich nochmals Scott‘s Hinweis die Sache entschlossen oder gar nicht zu machen. Langsames hineinsteigen hilft genau gar nichts. Gesagt, getan.

Die Kälte ist erwartensgemäß heftig, hinsetzen, tief und gleichmäßig atmen, … ich halte die Augen geschlossen und konzentriere mich. Drei, vier Atemzüge und es gelingt mir tatsächlich locker zu lassen. Ich lasse meine Beine noch etwas mehr sinken und es wird noch etwas leichter. Es stellt sich eine Art Ruhe ein und ich fühle sogar etwas Wärme in meinem Körper hochkommen. Mir kommt es mittlerweile angenehmer vor als beim vorherigen Warten. Nach ein, zwei Minuten steige ich langsam heraus, ohne den Zwang dazu zu verspüren.

Wie bei den VorgängerInnen gibt es Beifall von den anderen und ich bin ein bisschen stolz aber vielmehr noch gelassen und entspannt. Das Warten bis alle durch sind gestaltet sich im Freien zwar kalt aber okay. Das ist ohnehin die message für mich: „alles nicht so schlimm“! Ja es ist kalt, und ja ich bevorzuge sicher 26 Grad warmes Wasser in den Tropen, aber es geht schon. Drinnen angekommen und umgezogen stellt sich wieder langsam ein normales Temperturgefühl ein. Der restliche Tag verläuft unspektakulär. Ich habe anständigen Hunger, Erkältung oder ähnliches bricht keine aus.

Soviel zur Erfahrung, aber bald gibt es mehr zum Thema, sowie der Frage warum man sowas überhaupt macht bzw. wo eine mögliche Verbindung zu Schmerztherapie liegtim nächsten Artikel. Um über neue Artikel informiert zu bleiben, trag dich einfach in die mailing list ein und schon flattert beim nächsten mal ein email zu dir.

Feelgood Festival 2018 – Zwei Tage Yoga, Fitness UND schmerzfreie Bewegung

Am 29.6. und 1.7.2018 war ich beim Feel Good Festival 2018 mit meinem eigenen Stand für schmerzfreiebewegung.at im Einsatz. Somit ging ein intensives Wochenende, und eine noch intensivere vorhergehende Woche zu Ende. Zeit, ein paar Worte dazu nieder zu schreiben und die ganzen vielen Eindrücke in Textform zu bringen.

Spontane Aktionen sind oft die besten

Wer schon einmal in irgend einer Form bei einer Messe oder einem vergleichbaren event einen Stand organisiert oder betreut hat, wird wahrscheinlich gut nachvollziehen können, dass es dazu zuerst ein paar Dinge zu planen gilt. Also ein Unternehmen das man nicht unbedingt von heute auf morgen avisiert, sondern eine gewisse Vorlaufzeit in Anspruch nimmt. Dass es auch in kürzerer Zeit klappen, und nichtsdestotrotz ein voller Erfolg werden kann zeigte sich bei diesem Projekt. Der Beschluss einen Stand zu hosten, fiel nämlich knapp fünf Tage vorher per email mit einem der Organisatoren. Sonntag Nacht, nach einem schnellen Check der wichtigsten ToDos und Telefonate mit potentiellen HelferInnen sagte mein Bauch ok (obwohl die Woche eigentlich zur Gänze mit anderen Dingen verplant war) und um 3:13 morgens ging die schlussendliche Anmeldung per mail raus.

Nach einer Woche mit mehreren Nachtschichten und viel organisatorischem Aufwand ging es am Freitag Nachmittag schlussendlich aber rauf zur hohen Warte, zur eigenen Verwunderung mehr oder weniger alles auf Schiene, um die location abzuchecken und den Zeltaufbau zu beginnen.

Let the games begin

Samstag morgen, etwas angeknockt von einer “sportlichen” Woche, raus aus den Federn, rein ins Car2Go. Bei Sonnenstrahl und angenehmen Temperaturen ging der Morgen gemütlich los im Stadion der Vienna. Während das Feld ab 9:00 mit den ersten Yogis gefüllt war, wurden am Stand Infos zum Therapieangebot gegeben und bald auch die ersten 5-10 Minuten Blitzbehandlungen für die verschiedensten kleinen und großen Schmerzzustände durchgeführt. Vom verspannten Nacken bis zu Knie, Schulter usw. war alles dabei.

Stand beim FGF 2018

Ready to go! Sonja und ich nutzen die Zeit vor dem Ende der Morning Yoga session für ein Foto. Währenddessen hielten mir meine treuen supporter den Rücken frei, indem sie sich um die Einteilung der Behandlungsslots, das Gewinnspiel und die ganzen anderen Infos für die Besucherinnen kümmerten.

Parallel ging in den beiden Tagen ein echt buntes Programm über die Bühne: während sich manche die Kante bei den crossfit workshops gaben, ließen andere beim Ziegen-Yoga die buddhistische Gleichmut der Tiere auf sich wirken. Womit wir schon beim einzigen Nachteil der ganzen Aktion wären: selber teilnehmen an den workshops ging sich leider nicht aus! Nichtsdestotrotz übertrug sich die angenehme Atmosphäre positiv auf uns und immerhin ging sich in kurzen Pausen auch ein Curry oder mal ein Kaffeetschi aus 😉

Sogar Ziegen gab's beim Feelgood Festival

Yap, wer genau hinsieht kann wirklich die Ziegen in der Mitte erkennen.

Für mich einfach ganz klar das highlight waren aber die sessions mit den Standbesuchern. In dieser Form war das alles neu. Ein paar Minuten um den Leuten zu zeigen worum’s geht – das war der deal. Für sie ein check ob meine Arbeitsweise entspricht, für mich ob ich mit der Methode am richtigen Weg bin. Womit ich aber nicht gerechnet habe, war die Tatsache, dass wirklich extrem Viele (leider habe ich mir nicht genauere Zahlen notiert, würde mich selber interessieren) rausspazierten und (fast) zur Gänze beschwerdefrei waren. Den ungläubigen Blick eines sechzehnjährigen Jungen, der schon seit 10 Monaten an einer Knie-Sache herumlaborierte, und wenige Minuten später bei der typischen Bewegung keinen Schmerz mehr spürte, habe ich bis heute noch gespeichert.

Was bleibt

Am Sonntag Abend, als die letzten Sonnenstrahlen auf den Rasen fielen blieben viele Eindrücke übrig. Einerseits glühende Daumen von zwei intensiven Tagen, vor allem aber ein irrsiniges Gefühl von Zufriedenheit, Dankbarkeit und Motivation.

Zufriedenheit in kurzer Zeit viel auf den Weg gebracht zu haben und die Gewissheit, dass es sich ausgezahlt hat. Dankbarkeit, dass alles geklappt hat, etwas zu machen, dass Spaß macht und vor allem Dankbarkeit gegenüber meinen Helfern (tausend Dank an dieser Stelle!). Motivation für die weitere Arbeit und mehr solcher Aktionen. Sollten Sie also mal demnächst in einer Situation sein in der Sie sich nicht sicher sind ob es “gscheid ist”, dann rate ich einfach dazu den Bauch zu fragen und nach dem Motto “when in doubt, just go for it” zu gehen .

Dehnung für die fleißigen Finger und chillen in der Abendsonne bevor der gemeinsame Abbau im Stadion beginnt.

Liebes Feelgood Festival, es war mir ein Vergnügen und wir werden uns sicher wieder sehen! 🙂